„Human is the next big thing“: Digitalisierung, leicht gemacht

„Human is the next big thing: Das ist unsere Chance!“ Dr. Rebekka Reinhard holt die Philosophie aus dem Elfenbeinturm und setzt sie da ein, wo sie hingehört: ins wirkliche Leben – in eine „VUCA“-Welt der Unübersichtlichkeit. „Das tun, was die anderen tun, war gestern. Heute sind Mut, Neugier und Selber-Denken angesagt.“ Dies ist ein Text von ihr zum Thema Künstliche Intelligenz und Digitalisierung. 

Das rasante Tempo, mit dem Digitalisierungsprozesse unsere Realität verändern, veranlasst zum Stirnrunzeln: Wie viel Wandel pro Jahr und Tag kann der Mensch eigentlich verkraften? Dass Algorithmen, künstliche Intelligenz und smarte Objekte längst unseren Alltag mitbestimmen, formt uns nicht automatisch zu hoffnungsfrohen, „veränderungsflexiblen“ Lebewesen. Im Gegenteil. Die Umwälzungen in der Arbeitswelt, die sich schon heute bemerkbar machen, bewirken eher das Gegenteil – Veränderungsresistenz und Unfehlbarkeitsdogmatik. Beides dient der Komplexitätsreduktion in einer Zeit, in der die Gesellschaft insgesamt von nervöser Erregung, der „Macht von Stimmungen“ durchdrungen ist, wie Soziologe Heinz Bude konstatiert.

 Hierarchie-befreite Kooperation in coolen Workspaces

Kann nicht einfach alles bleiben, wie es ist? Nein. Auch in deutschen Unternehmen hat sich inzwischen herumgesprochen, dass man mit Planung und Kontrolle nicht weiter kommt. Man bekräftigt seinen Willen zur Disruption, zu Experimentiergeist und einer ordentlichen Fehlerkultur. Ohne Scheitern kein Erfolg, lautet das neue Mantra. Und was kommt nach dem erfolgreichen Scheitern, was sollte danach kommen? Ein Sinn, den man vor lauter Zahlen, Daten, Fakten ganz aus den Augen verloren hatte. „Purpose“ hat in Zeiten des Wandels Hochkonjunktur: ein Sinn, der für engagierte, intrinsisch motivierte, selbstverantwortliche Teamwork steht. Für eine Hierarchie-befreite Kooperation in coolen Workspaces, wo fröhliche Menschen in Jeans und Turnschuhen wertschätzend aufeinander einwirken, um Innovationen am laufenden Bande hervorzubringen.

Die Ethik soll es richten

Wirklichkeit oder Farce? Aus der neuen Nachdenklichkeit vieler Unternehmen spricht jedenfalls ein neues Bewusstsein: Die Ethik soll es richten. Sie soll inmitten des Wandels die nötige Balance zwischen Agilität und Stabilität ermöglichen; Sinn einerseits in Selbstführung und Selbstorganisation verorten, andererseits in Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Das Problem ist nur: Diese Ethik lässt sich nicht am Reißbrett entwerfen. Ethisches Bewusstsein kann nicht durch einen mehr oder weniger künstlich konstruierten „Sinn“ gestärkt werden. Es verfestigt sich weder durch „erlerntes Scheitern“ noch durch clever vermarktete Ideologien der Selbstorganisation noch durch die „Authentizität“ der zwangsverordneten Duz-Gemeinschaft. Sondern nur mit Ritualen und Routinen, die intrinsisch sinnvoll sind; im Job wie im Leben insgesamt.

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Eine Haltung der Leichtigkeit

Das geht nicht mit Schwere und Schwermut – das geht nur mit Leichtigkeit. Lassen wir los von all den „Problemen.“ Fragen wir uns: „Wofür lebe ich?“ und drücken die Reset-Taste. Was jetzt gefragt ist, ist eine Haltung der Leichtigkeit. Wir gewinnen sie, indem wir 

> mehr spinnen als planenDenn den Spinnern gehört die Zukunft. Kreativen Menschen, die aus ihrem Hirn und Herz heraus zukunftstaugliche „Netze“ weben – Ideen, Strategien, Praktiken, die durch unsere VUCA-Welt tragen und auffangen. Spinnen nimmt dem Leben sein Gewicht und seine Härte und verleiht ihm mehr Unbeschwertheit.

mehr fühlen als rechnenWer mit dem Kopf fühlt und mit dem Herzen denkt, ist nicht unbedingt ein großer Mathematiker. Womöglich aber ziemlich mutig. Mut ist eine ethische Basistugend – und die Essenz der Leichtigkeit. Wie Theodor Fontane schrieb: „Zwischen Hochmut und Demut steht ein Drittes, dem das Leben gehört. Und das ist ganz einfach der Mut.“

mehr trödeln statt hetzenWir können noch so rennen – Algorithmen und Roboter werden schneller sein. Das ist unsere Chance. Wer zu schnell liebt, arbeitet, lebt, ist früher tot. Hirn und Herz des Menschen können nur langsam reifen. Entdecken wir unsere Menschlichkeit neu. Die allzumenschlichen Freuden des Prokrastinierens, des Abschweifens, der Selbstreflexion.

P. S. Künstliche Intelligenz, die menschlich wirken soll, braucht Menschen, die den Namen verdienen. „Human is the next big thing.“


Profil von Dr. Rebekka Reinhard

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Dr. Rebekka Reinhard ist freie Philosophin, international tätige Rednerin und TEDx Speaker („On the absurd“). Einem breiten Publikum bekannt wurde Rebekka Reinhard als SPIEGEL-Bestseller-Autorin, als Redakteurin der Philosophie-Zeitschrift „Hohe Luft“ und Kolumnistin bei der „Süddeutsche Zeitung“. Ihre Bücher, darunter „Die Sinn-Diät“ , „Würde Platon Prada tragen?  und „Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen)“ wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Als Keynote Speaker für Unternehmen und philosophische Beraterin für alle, die zu neuen Horizonten aufbrechen wollen, ist Dr. Rebekka Reinhard überzeugt: In Zeiten des Wandels ist Orientierung wichtiger denn je. Wenn wir unsere Zukunft glücklich und erfolgreich gestalten wollen, brauchen wir keine Patentrezepte. Wir brauchen Inspirationen aus dem think tank der größten Denker und Denkerinnen aller Zeiten.

Dr. Rebekka Reinhard legt nicht nur großen Wert auf theoretische Expertise, sondern auch auf den ethischen Grundsatz des sozialen Engagements: So arbeitete sie acht Jahre lang mit stationären Depressions- und Burnout-Patienten des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie mit stationären Patienten der Onkologie. Heute engagiert sie sich mit philosophischen Workshops für Jugendliche unter anderem für die gemeinnützige Organisation „Dein München e. V.“

Mehr Informationen über Dr. Rebekka Reinhard finden Sie auf unserer Webseite und auf ihrer Homepage: philosophy works!

Credits:
Foto Rebekka Reinhard: Copyright by Peter Lindbergh
Titelbild: Copyright Gabriela Parra / unsplash
Foto Möwen: Copyright YesManPro / pexels

 

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Influencer Marketing: Der Zeitgeist verlangt nach Dialog

Marlis Jahnke ist Expertin für Influencer Marketing in unserem Pool of Female Excellence. 2014 gründete sie Deutschlands erste Influencer Marketing-Plattform: HashtagLove hat heute mehr als 6.000 registrierte Influencer und führt erfolgreich Marken mit Influencern aller Social Media Kanäle zusammen. Gerade ist ihr zweites Buch „Influencer Marketing“ erschienen. Dies ist ihr Beitrag für unseren Blog über Begriff, Geschichte und Trends.

Ist Influencer Marketing wirklich neu? Mit dem Internet haben sich die Möglichkeiten der Verbreitung von Botschaften vervielfacht. Heutzutage sind nicht mehr nur TV-Sternchen oder Hollywoodstars Influencer und Meinungsmacher.Unzählige Menschen können innerhalb kürzester Zeit Massen über die sozialen Medien erreichen und damit Influencer werden. Für Unternehmen werden diese Personen immer wertvoller und interessanter. Auf der anderen Seite schaukelt sich die Begehrlichkeit von Bloggern, Instagramern und YouTubern immer weiter hoch und die Preisschraube dreht sich nach oben.

Für welche Produkte macht Influencer Marketing Sinn? Welche Position kann und wird diese Disziplin im Marketing-Mix einnehmen? Wer beherrscht die Spielregeln der neuen Disziplin? Wie identifiziere ich Influencer und wie erstelle ich ein Briefing so, dass die „neuen Medienschaffenden” die Produkteinbindung im Sinne der Marke umsetzen? Wie ist der korrekte juristische Umgang mit der Kennzeichnungspflicht? All diese Fragen beantwortet das erste Fachbuch zum Thema (Influencer Marketing), herausgegeben von unserer Rednerin Marlis Jahnke, das ganz frisch auf dem deutschen Buchmarkt ist.

Woher kommt Influencer Marketing?

Die Medienlandschaft durchlebt im digitalen Zeitalter einen tief greifenden Wandel – das Internet hat unser Kommunikations- und Informationsverhalten grundlegend verändert. Egal ob Text, Bild oder Video – Inhalte in allen Formen und Variationen werden geteilt und verbreitet. Die klassischen Medien-Kanäle müssen sich auf das Senden beschränken, aber der Zeitgeist verlangt nach Dialog. Vor allem jüngere Zielgruppen sind kaum noch über TV und Co zu erreichen.

 

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Künstliche Intelligenz: Es passiert jetzt!

Ein Beitrag unserer Expertin Jenny von Podewils

Wir leben in einer Zeit in der sich der technologische Wandel beschleunigt. Anwendungen, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basieren, entwickeln sich besonders schnell, denn sie entwickeln sich nicht linear sondern exponentiell.

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Die exponentielle Entwicklung von KI Anwendungen hat drei zentrale Treiber:

  1. Die globale Datenmenge verdoppelt sich ca. alle 18 Monate. Es stehen somit immer mehr Daten als Lerndaten für die Entwicklung neuer KI Anwendungen zur Verfügung.
  2. Wir sehen weiterhin eine exponentielle Verbesserung der Rechenkapazität moderner Computer. Diese immer höhere Rechenleistung ermöglicht neue kommerzielle KI Anwendungen.
  3. Immer mehr künstliche Intelligenz-Algorithmen stehen als Open Source zur Verfügung. Damit haben immer mehr Personen und Firmen Zugang zur Entwicklung von KI Anwendungen.

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Ihr neuer Kollege: Leonardo da Vinci

Gastbeitrag von Daniela Kaiser

„Lösungen sind die Waren und Güter unserer Zeit, und wir sind uns bewusst, dass die uns zur Verfügung stehenden Lösungen unzureichend sind, um unsere Herausforderungen zu bewältigen. Wir brauchen eine neue Sichtweise, um die richtigen Fragen zu stellen.“ (1)

Welche Fragen würde Leonardo da Vinci heute stellen?

Vor 500 Jahren fragte er, wie der Vogelflug auf Flugobjekte übertragen werden kann, um Menschen zu bewegen. Er fragte sich, wie Menschen miteinander kommunizieren, die gerade von einer Intrige innerhalb des Teams erfahren haben (letztes Abendmahl). Und er fragte sich, wie flache Gemälde im Kopf der Betrachter zu lebendigen Bildern werden. „Ihr neuer Kollege: Leonardo da Vinci“ weiterlesen

„Frauen bringen Skills mit, von denen Männer nur träumen können“

Die Wirtschaftsethikerin und ThinkTank-Gründerin Monique R. Siegel kämpft für die Karrierechancen von Frauen. Ein Gespräch über Frauen in der Wirtschaft, falsche Ansätze – und zu viel Gleichheit.

Das vollständige Interview finden Sie online im Handelsblatt.

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Monique R. Siegel:
„Es geht nicht mehr nur um die einzelne Karriere einer Frau, es ist eine volkswirtschaftliche Angelegenheit.“
(Foto: Privat)

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