Wer ist Ihr Lieblingsschauspieler?

Da denkt man doch sofort an, hmm: Brad Pitt, Johnny Depp, Ryan Gossling, Nicholas Cage oder vielleicht auch an Benedict Cumberbatch? Bei dieser Frage fällt den meisten von uns jedenfalls nicht gleich der Begriff „generisches Maskulinum“ ein. Aber einigen schon, und die antworten dann vielleicht Emma Thompson, Kate Blanchett oder Tilda Swinton.

Denken wir also bei der Frage nach dem Lieblingsschauspieler gleich an Männer – oder auch an Frauen? Und wie ist das bei Ingenieuren, bei Software-Entwicklern oder auch bei Gründern? Werden Frauen gleich mitgedacht oder fühlen sich Frauen da nicht angesprochen? Wie fair ist unsere Sprache? Wie männlich sind männliche Berufsbezeichnungen?

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Kann Sprache überhaupt unfair sein?

Klar, dass wir darüber nachdenken, sehr intensiv sogar. Wir wollen nicht ausgrenzen, aber wir legen Wert auf Sprache und mögen keine unlesbaren, sperrigen Texte. Diese und andere gängige Vorurteile gegen gendergerechte Sprache sind in Studien1 aber widerlegt worden: Weibliche und männliche Leser*innen zeigten bei unterschiedlichen Fassungen derselben Texte

  • dieselbe Erinnerungsleistung
  • die Verständlichkeit der beiden Fassungen wird gleich bewertet
  • die Lesbarkeit wird gleich bewertet
  • nur die männlichen Teilnehmenden bewerteten die Variante mit dem generischen Maskulinum besser

Das gilt umso mehr, wenn wir an jüngere Absolvent*innen denken, die von der Uni ins Berufsleben kommen: An Hochschulen ist gendergerechte Sprache Pflicht – jedenfalls wesentlich mehr durchgesetzt als in Unternehmen. Deswegen reagieren sie anders auf den geläufigen Umgangston und wenden sich eher ab oder fühlen sich nicht gemeint. Das Gendersternchen ist für sie Standard, keine*r stolpert darüber – das Vorhandensein wird positiv bewertet, so ein Ergebnis von fairlanguage aus einer Untersuchung über die Wirkung von Texten in Stellenausschreibungen.

Unbenannt

„Paragraphs containing masculine generics were less well understood by and felt less relevant to (female) participants with a feminist stance (…)“2

In den „weiblichsten“ Stellenanzeigen werden Softwareentwickler*innen gesucht

Lady_BossStellenanzeigen werden heute insgesamt eher weiblicher formuliert3. Das mag daher rühren, dass in manchen Branchen und Berufen händeringend Bewerber*innen gesucht werden. Man weiß aber, dass Frauen sich auf Stellenanzeigen mit männlichen Sprachcodes eher nicht bewerben. Das hat dazu geführt, dass immer mehr Stellenanzeigen eher weiblich betextet werden. Begriffe wie durchsetzungsfähig, selbstbewusst, analytisch, aktiv oder unabhängig sprechen Frauen weniger an als Wörter wie verständnisvoll, freundlich, unterstützend oder gemeinsam. So werden heute in den „weiblichsten“ Stellenanzeigen Softwareentwickler*innen gesucht.

Aber liegt das ausschließlich am Bewerber*innen-Mangel? Oder geht es hier auch um den Generationswechsel und darum, dass in digitalisierten Unternehmen ein soziales Skillset erfolgreicher ist als ein dominanter Führungsstil?

„Fröhlichen Frauen wird kein Führungswille zugetraut – stolzen schon“

Bildschirmfoto 2019-10-29 um 10.36.01Unsere Bias halten sich tapfer – bei Männern und vor allem auch bei Frauen: Untersuchungen4 zeigen, dass Männer in Empfehlungsschreiben anders beschrieben werden als Frauen – auch von Frauen. Texte über Männer sind länger und genauer. Sie werden eher als genial, brillant und ideenreich bezeichnet (superb, outstanding, remarkable, exceptional), während Frauen eher in ihren Verhaltensweisen und in der Ausführung ihrer Tätigkeit beschrieben werden (sensitive, caring, kindly, friendly, maintaining relationships). Das spiegelt sich auch in den untersuchten Bewerbungsschreiben: Frauen beschreiben sich eher in einer Beziehungs- als in einer Handlungs-orientierten Weise (communal vs agentic). Stimmt’s? Werfen Sie mal einen Blick auf die eigenen Bewerbungen.

„Being fair means uncovering as many of the societal prejudices and biases that can pervade our selection systems. In short, words do matter. It’s time for women to stop being “nice,” and, it’s certainly time to stop describing them as such.”4

Aber es geht noch weiter – bis in die C-Suite: „Stereotype spielen (auch) bei der Auswahl von Spitzenpersonal im Unterbewusstsein eine entscheidende Rolle“, so Prof. Isabell Welpe5: „Vor allem fröhlich wirkenden Frauen wird wenig Führungswillen zugetraut. Umso größer ist die Wirkung, wenn sie Stolz zeigen.“

Es geht um die Sichtbarkeit von Werten und Haltung – um die DNA eines Unternehmens

Es tut sich was – aber der Weg ist noch weit. Sprache ist dabei ein Indikator für den Wandel, aber auch ein Treiber. Sie zeigt uns die eigenen Vorurteile. Je mehr wir uns mit Sprache auseinandersetzen und sensibel damit umgehen, desto mehr ist uns bewusst geworden, dass Sprache Handeln ist. Faire Sprache geht weit über Gendersternchen und Binnen-I oder das inzwischen allen vertraute m/w/d hinaus. Sie ist ein Statement – gerade auch für die Kultur eines Unternehmens – das Werte transportiert und sichtbar macht. Sprache trägt dazu bei, Potenzial in der Gesellschaft zu erschließen, sie fördert Diversität und eine inklusive Kultur – oder anders ausgedrückt:

„Gerechte Sprache allein schafft noch keine gerechte Welt. Aber indem wir sie verwenden, zeigen wir, dass wir eine gerechte Welt überhaupt wollen.“ Anatol Stepanowitsch, Sprachwissenschaftler

Viel Spaß beim “Gendern”!

Hebamme


Literatur

1 Aus Gründen der Verständlichkeit …“: Der Einfluss generisch maskuliner und alternativer Personenbezeichnungen auf die kognitive Verarbeitung von Texten:  Friederike Braun, Susanne Oelkers, Karin Rogalski, Janine Bosak, Sabine Sczesny

2 “Representation of the sexes in language”, MacKay (1980) zietiert in Stahlberg, Irmen, Braun, Szesny (2007)

3 Untersuchung von Stellenanzeigen des Portals Joblift 2018

4 „How We Describe Male and Female Job Applicants Differently“ ,(2018) Hebl, Nittrouer, Corrington, Madera in Harvard Business Review

5 Auswahl und Beurteilung von Führungskräften in Wissenschaft und Wirtschaft – wie unterscheiden sich Männer und Frauen?“, Prof. Isabell Welpe, Prof. Claudia Peus

Rednerinnen-Agentur – ganz ohne Sternchen*

Es gibt keinen Grund mehr dafür, dass Veranstaltungen – wie aus der Zeit gefallen – mit all-male Line-ups oder ebensolchen Panels ihr Publikum irritieren: Wir haben zu jedem Thema und für jedes Level eine weibliche Spitzen-Besetzung. Wir bekommen Anfragen von Event-Agenturen, Veranstaltern und Unternehmen zu allen aktuellen Themen und schlagen Rednerinnen aus unserem „Pool of Female Excellence“ vor. Die WOMEN SPEAKER FOUNDATION ist eine Rednerinnen-Agentur. Wir vermitteln Expertinnen auf die Bühne – gegen Vermittlungsprovision.

Falls Ihnen also ein solches „traditionelles“ Panel auffällt und Sie nicht selbst Ihre Verwunderung darüber mit den Veranstaltern teilen möchten, würden wir gern einspringen und auf die Vorteile von Diversity und das Potential weiblicher Perspektiven hinweisen: Wie gesagt, es gibt da keine Ausrede mehr á la „Wir würden ja gern, aber wir finden keine Frau, die zu diesem Thema auf die Bühne geht.“

Unsere „Hotline“. Wir freuen uns auf Ihre Mail!

Plan W Podcast mit Regina Mehler

Frauen auf die Podien und an die Micros!

Manels oder auch all-male-panels sind Wörter für die „Thomas-Monotonie“ im Line-up von Veranstaltungen auf denen Männer miteinander über den Zustand der Welt reden. Probates Gegenmittel ist die WOMEN SPEAKER FOUNDATION, „eine Künstleragentur für Wirtschaftsfrauen“ nennt uns Susanne Klingner im SZ-Podcast von Plan W.

Hier geht’s zum Plan W Podcast mit Regina Mehler: „Frauen auf die Podien und an die Mikros!“ 

 

Mit Fakten gegen Floskeln

„Es gibt doch gar kein Problem.“ Doch, gibt es. 93% der Vorstände deutscher Börsenunternehmen sind Männer. Das „Anders-Problem“ in Schweden heißt in Deutschland „Thomas-Kreislauf“ und bezieht sich auf die Anzahl männlicher Vorstandsmitglieder allein dieses Vornamens, welche die Gesamtzahl aller Vorstandsfrauen im Land übertrifft. Die deutsche Quote für Aufsichtsrät*innen hält Sven Hagströmer, Gründer der schwedischen AllBright-Stiftung, für „Eine politische Symbolfrage ohne Breitenwirkung“. Denn in den Vorständen werden die Geschäfte gemacht und die Entscheidungen getroffen.

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Die AllBright-Stiftung versendet seit 2016 auch in Deutschland schwarze Umschläge an diejenigen börsennotierten Unternehmen, die keine Frau im Vorstand haben. Die weiße Liste der Unternehmen, die mindestens 40% Frauen im Vorstand haben, hatte bei 160 untersuchten Firmen 2018 genau drei Einträge.

„Wirtschaft ist nichts für Frauen“

Sven Hagströmer ist einer der erfolgreichsten schwedischen Unternehmer. Sein Feminismus ist ein Programm zur Gewinnmaximierung. Er lässt das die Investmentabteilung seiner Bank regelmäßig ausrechnen: Die Kurse börsennotierter Unternehmen weltweit performen besser, je näher der Frauenanteil im Vorstand an der 50% Marke liegt.

Hier geht’s zum #FührungsFrauenFloskelBingo Den gängigsten, floskelhaften Mantren werden exemplarisch Fakten gegenübergestellt – mit einigem Unterhaltungswert …

(Quellen: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 28.10.2018, Seite 30 und die deutsche Seite der AllBright-Stiftung)