Gastbeitrag von Daniela Kaiser

„Lösungen sind die Waren und Güter unserer Zeit, und wir sind uns bewusst, dass die uns zur Verfügung stehenden Lösungen unzureichend sind, um unsere Herausforderungen zu bewältigen. Wir brauchen eine neue Sichtweise, um die richtigen Fragen zu stellen.“ (1)

Welche Fragen würde Leonardo da Vinci heute stellen?

Vor 500 Jahren fragte er, wie der Vogelflug auf Flugobjekte übertragen werden kann, um Menschen zu bewegen. Er fragte sich, wie Menschen miteinander kommunizieren, die gerade von einer Intrige innerhalb des Teams erfahren haben (letztes Abendmahl). Und er fragte sich, wie flache Gemälde im Kopf der Betrachter zu lebendigen Bildern werden.

Unsere Fragen betreffen laut den Vereinten Nationen: Frieden und Sicherheit, Klimawandel, Nachhaltige Entwicklung, Menschenrechte, Abrüstung, Terrorismus, humanitäre und Gesundheitskrisen, Geschlechtergleichheit, Staatsführung, Lebensmittelproduktion. Die Fragen, die Menschen hingegen bewegt, betreffen ihre Arbeitsplatzsicherheit, die Sicherung oder Steigerung ihres Wohlstands und den Erhalt der Lebensqualität für sich und die Familie (auf welchem Niveau auch immer). Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich die Unternehmen mit dem (nicht immer nachhaltigen) Ziel der Rentabilität. Und wie lauten die Lösungsansätze? Industrie 4.0, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotik?

Die Nische, die Menschen erfolgreich macht, ist die Kreativität

Unsere Arbeitswelt wird technischer, schneller, komplexer, und das sind auch die Kategorien, in denen die Leistung der Mitarbeiter gemessen wird. Doch die Nische, die Menschen seit jeher erfolgreich macht, ist eine ganz andere: Kreativität. Kreativität gehört zu den drei wichtigsten Kompetenzen für Erfolg in der Arbeitswelt für das Jahr 2020. Als wichtiger werden nur komplexe Problemlösung und kritisches Denken eingestuft. Das ist das Ergebnis der Umfrage des Weltwirtschaftsforums an Personalverantwortliche weltweit führender Unternehmen. (2) Aber wie werden Unternehmen bis 2020 kreativer?

Mind Mapping inspirierte Monet nicht zu seiner Seerosen-Serie, und Picassos kubistische Portraits sind nicht das Ergebnis eines Design Thinking-Projekts.  Kreativtechniken mögen hilfreich sein, aber alle setzen eines voraus, das nicht selbstverständlich ist: Leidenschaft, Enthusiasmus! Die tiefe Überzeugung für die Sache!

Kreativität ist keine Technik, Kreativität ist eine Haltung! Leidenschaft ist die Grundvoraussetzung für Kreativität. Denn sie sorgt dafür, dass wir dranbleiben. Auch nach der Arbeitszeit, auch abends (beim Einschlafen), nachts (beim Träumen), morgens (beim Duschen), beim Sport, im Urlaub, … Denn wann kommen Ihnen die besten Ideen? Genau.

Die Mona Lisa entstand nicht in einer Brainstorming-Session

Kreativität verbinden wir an erster Stelle mit dem Beruf des Künstlers. Picasso, Monet, Leonardo da Vinci und all die Künstler, deren Meisterwerke wir gerne in Museen und Ausstellungen bewundern, waren natürlich kreativ. Aber – und das ist für viele überraschend: Sie nutzten ihre Kreativität nicht nur für herausragende Kunstwerke (=Produktentwicklung und Produktion), sondern auch in der Auftragsakquise, bei Problemlösungen, in Gerichtsprozessen, für ihre PR, im Einsatz neuer Medien, und, und, und…

Ihre Kompetenz ging weit über das hinaus, was wir weitläufig mit „Kreativität“ bezeichnen. Es ist auch mehr als Unternehmergeist. Denn zusätzlich zu Überzeugungskraft, Kritikfähigkeit, und Tatkraft hatten und haben Künstler weitere ausgeprägte Fähigkeiten: eine sehr gute Beobachtungsgabe und visuelle Vorstellungskraft!

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Wie würde Leonardo da Vinci Ihren Job machen?

Leonardo da Vinci schrieb Bewerbungen, er hatte Kundenbeschwerden zu bearbeiten und musste bereits genehmigte Projekte abbrechen, weil sein Auftraggeber die Prioritäten änderte – alles Themen, die uns sehr bekannt vorkommen.

Welche Herausforderungen haben Sie zu meistern? Welche Ängste hemmen Ihre Mitarbeiter in Ihrer täglichen Arbeit? Haben sie Angst, Fehler zu machen? Nicht schnell genug zu sein? Oder bei der nächsten Abfindungsrunde oder Fusion nicht mehr gebraucht zu werden? Wie legen Sie das kreative Potential Ihrer Mitarbeiter frei? Wo sind die Leonardos, Monets und Picassos in Ihrem Unternehmen?

Wenn Sie Ihre Arbeit und Ihr Team unersetzlich machen wollen, dann suchen Sie nach den Motiven der Menschen, die für Sie und mit Ihnen arbeiten, und finden Sie für jeden die Aufgaben, die den Job zur eigenen Sache machen. Schaffen Sie den Rahmen für das immense Potential an Kreativität und Engagement in Ihrem Team.

PS für Frauen: Fast alle Best Practice-Beispiele aus der Kunstgeschichte sind Männer. Aber zu jeder Zeit gibt es Frauen, die es ganz nach oben geschafft haben. Die Malerin Artemisia Gentileschi brillierte als Verhandlungs-Expertin, Berthe Morisot erzielte zeitweise höhere Preise für ihre Gemälde als Monet und Louise Bourgeois und schaffte den Durchbruch als Künstlerin im Alter von 71 Jahren mit einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York. Haben Sie den Mut, Ihre künstlerische Intelligenz einzubringen! Präsentieren Sie sich, stehen Sie ein für Ihre Sache und bringen Sie sich und Ihr Unternehmen nach vorne.

PPS für Männer: Fast alle Best Practice-Beispiele aus der Kunstgeschichte sind männlich. Aber Studien belegen: die Kreativität eines Teams steigt mit sinkendem Männeranteil. Bleiben Sie dran!


(1) William Forsythe, Zitat im Vogue-Gespräch 10/2017
(2) World Economic Forum Studie 12/2016 „The Future of Jobs“


Profil der Autorin dieses Textes

Daniela_KAiser_Bild_1Daniela Kaiser ist Diplom-Betriebswirtin und Kunsthistorikerin und verbindet diese außergewöhnliche Kombination in ihren Inspirations-Vorträgen auf einzigartige Weise.

Sie arbeitete als Bankerin bei der Landesgirokasse, als Unternehmensberaterin bei PricewaterhouseCoopers in Frankfurt, Hamburg und Zürich, als Senior Consultant und Trainerin bei MLP und als selbständige Anlageberaterin mit Ethikkompetenz. Sie hat über 13 Jahre Vertriebserfahrung, war Top-Ten-Beraterin und interne Trainerin. Studium und Weiterbildungen absolvierte sie in Stuttgart, Heidelberg, Wien und Philadelphia. Für eine Romanidee und aus Leidenschaft für die schönen Künste studierte sie in ihrer Freizeit Geschichte und Kunstgeschichte. Die Erkenntnis: Von Leonardo, Monet und Picasso können wir beruflich und persönlich einiges lernen. Das Ergebnis: Management by Art!

Expertinnen-Profil und Präsentationsthemen von Daniela Kaiser finden Sie hier.

 

 

 

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