Unsere Rednerin Daniela Dihsmaier hat ihr Buch „Brutal Mental – Mentale Stärke ist mehr als nur Siegerdenken“ veröffentlicht. Als Spitzensportlerin und Unternehmerin überträgt sie ihre Erfahrungen und Learnings aus dem Leistungssport in den Business-Alltag. Im Interview spricht sie auch darüber, wie ihre persönliche Geschichte ihre Haltung und ihre Arbeit geprägt haben. 

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: „BRUTAL MENTAL – Mentale Stärke ist mehr als nur Siegerdenken“ ist der Titel Ihres neuen Buches. Warum „BRUTAL“, was meinen Sie damit? 

Daniela Dihsmaier: Brutal Mental – mir ist bewusst, dass dieser Titel sehr hart klingt. Aber das ist absichtlich so gesetzt: Wenn du etwas ändern willst in deinem Leben, dann musst du deine Komfortzone verlassen. Und ich wollte mich von Esoterik Ratgebern  absetzen. Es gibt bei echten Herausforderungen keinen hürdenlosen, leichten Weg. Positives Denken reicht eben nicht. Ich muss mich vielmehr darauf vorbereiten, dass mein Ziel mich fordern wird.

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Und gleichzeitig steht Brutal Mental auch für meine Seite als Coach, weil ich mich als Coach auch immer wieder fordere und mit meinen Klienten an deren Grenzen gehe, indem ich keine allgemeine Lösung anbiete, sondern individuelle und empathische, wie ich es in meinem Buch an vielen Fallbeispielen zeige.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Leistungsdruck, Angst zu versagen, Resilienz – was können wir für den Alltag im Job von Leistungssportler*innen lernen?

Daniela Dihsmaier: „Maybe never wins“. Wenn du etwas erreichen willst, dann geht das nur mit vollem Einsatz. Ich höre Menschen oft jammern, dass es andere soviel leichter haben. Ich kenne keinen der langfristig Erfolg hat, dem alles in die Wiege gelegt wurde. Langfristig erfolgreich sein bedeutet, an sich zu arbeiten und auch dran zu bleiben, wenn die Hindernisse und Zweifel kommen. Der Konjunktiv ist der Modus des Verlierers: „…hätte ich doch, würden doch nur die anderen …“. Dranbleiben und Erfolg haben geht nur, wenn ich selbst aktiv werde und konsequent bin. Und dazu gehört das Wissen, dass Leistung in Wellen verläuft – wie eigentlich unser ganzes Leben.

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Letztlich geht es doch im Leben immer um den Umgang mit den eigenen Grenzen und Krisen: Respekt vor der nächsten großen Herausforderung ist wichtig und zugleich brauchen wir das Wissen: Ich kann es schaffen, weil ich es schon mal geschafft habe. Genau deshalb trainiert man im Sport ja auch das Herantasten an die eigenen Grenzen, denn nur wer vorbereitet ist, kann sie am Wettkampftag überschreiten. Und in meinem systemischen Mental Coaching ist das genauso: Ich bereite meine Klienten vor, ich begleite sie auf ihrem Weg, ihre Komfortzone zu verlassen, um die Grenzen zu erweitern. Brutal Mental eben.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Was ist der Schlüssel zur mentalen Stärke?

Daniela Dihsmaier: Erfahrung im Umgang mit Hürden und eigenen Grenzen kann resilient machen, wenn ich es richtig reflektiere. Oft braucht es (z.B. angestoßen durch einen Coach) einen Perspektivenwechsel, wenn ich stagniere. Humor im Umgang mit sich selbst hilft sehr. Auch wer in dem was er tut einen Sinn sieht, ist nachgewiesen deutlich resilienter.

Selbstgespräche und wie ich meine Erlebnisse erinnere, das ist oft sehr entscheidend für künftige Herausforderungen. Denn unsere Erinnerungen sind beeinflussbar, wir selbst entscheiden wie wir etwas in Erinnerung behalten wollen. Da sehe ich übrigens ein großes Feld, wir erzählen uns eine Geschichte aus der Kindheit immer und immer wieder. Und manchmal wird sie immer negativer und traumatischer. Statt dessen könnten wir die Perspektive wechseln und das starke Moment in der Geschichte suchen, um für uns etwas Gutes daraus zu machen. Wenn wir einen Sinn in einer Erfahrung erkennen („es hatte einen Grund, warum…“) gibt das vielen Menschen innere Kraft, macht sie stärker. So funktioniert unser Gehirn, es sucht stets nach Kausalität. Warum sollten wir das also nicht nutzen?

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WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Sie haben persönlich sehr viel erreicht und sind nach einer Krankheit sportlich wieder voll durchgestartet – hat das Ihren Blick auf das Thema Leistung und Ihren Fokus verändert?

Daniela Dihsmaier: Ja, ich habe schon einiges erlebt, das stimmt, manches davon ist öffentlich, steht zum Beispiel im Vorwort meines Buchs. Ich habe das für mich abgeschlossen und schaue lieber nach vorne, deshalb rede ich in Vorträge kaum darüber, aber natürlich hat mich das stark mit geprägt in meiner Sicht auf die Welt.

Im Jahr 2009 hatte ich nach zwei sehr schweren Lungenembolien(jede dritte Embolie verläuft tödlich) die Diagnose, dass ich eigentlich ein Fall für die Intensivstation sei, da mein gesamtes linkes Bein voller Beinvenen-Thrombosen war. Da ich sehr viele Ärzte konsultiert hatte, bis das endlich erkannt wurde, war ich inzwischen schwer krank. Die Spezialisten sagten mir wenig Heilungschancen voraus, ein Leben als dauerhafter (künstlicher) Bluter und ohne funktionsfähige Venenklappen sei meine Zukunft. Der Wettkampfsport, so sagte man mir im Krankenhaus, sei wohl passé. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich gerade ein paar Wochen vorher ein tolles Rennen abgeliefert und dadurch als Amateur viele Sponsoren gefunden. Drei Jahre dauerte es, bis ich in ein normales, gesundes Leben zurückfand. Ich weiß noch, dass ich anfangs nur „kämpfte“, ich wollte unbedingt so schnell wie möglich zurück zum Wettkampfsport, suchte mir die besten Ärzte und hinterfragte viel, um zu unterscheiden, wo es einfach keine Erfahrung gibt und was wissenschaftlich gesichert ist. Ich bin heute wieder ganz gesund, die Ärzte sagen „dem Teufel von der Schippe gesprungen“ und meine wundervolle Kardiologin nannte mich ein kleines Wunder.

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Ich glaube, wir Sportler sind so, voller Disziplin und Biss, wir suchen eine Lösung. Ich hatte eine starke Sinnquelle für mich um dranzubleiben: Ich glaubte an mein Talent, an meine Bestimmung. Aber, jetzt kommt die Lektion, die ich langsam begreifen musste: Um ungewöhnlich große Ziele zu erreichen, die auch so noch keiner geschafft hat, musst du dir und deinem Umfeld Zeit geben. Ich war oft zu ungeduldig, meldete mich zu früh für Wettkämpfe an, nur um sie dann doch absagen zu müssen. Bis ich begriff: Das braucht seine Zeit, du kannst das nicht erzwingen mental und körperlich. Du kannst dein Bestes geben, aber du wirst erst dann gesund, wenn du innerlich entspannst. Das ist die Lektion, die die meisten leistungsstarken Menschen lernen müssen, wie ich heute aus meinen Coachings weiß. Kämpfen sind wir oft gewohnt, Gelassenheit im Umgang mit Hürden trainieren wir meist zu wenig. Ich auch, das merke ich in jeder Krise. Es braucht Mut und Abgrenzung, sich neue Perspektiven zu suchen. Etwas, das auch motiviert, aber machbar ist. Ich gab damals alle Sponsoren-Sachen zurück. Es setzte mich unter Druck. Ich verstand allmählich: Mein Leben ist nicht ruiniert, sondern es braucht einfach gerade eine andere Richtung.

Jeder Richtungswechsel in meinem Leben hat mich weitergebracht. Schmerzlich und hart, aber immer mehr dahin, dass ich innerlich stärker wurde. Und nach jeder Krise erlebte ich stets sehr viel Glück und Freude an dem, was ich tue. Mit dieser „leichteren“ Einstellung qualifizierte ich mich 2013 für die Triathlon-Weltmeisterschaft auf Hawaii: Ich hatte einfach Spaß im Rennen, ich konnte es genießen und wertschätzen, dass ich die zweite Chance hatte, normal zu leben und Triathlon zu machen.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Vielen Dank Frau Dihsmaier, dass Sie ihre Geschichte mit uns geteilt haben.


Profil von Daniela Dihsmaier

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Unsere Expertin Daniela Dihsmaier schlägt die Brücke vom Spitzensport zur Spitzenleistung in der Wirtschaft. Sie ist Unternehmerin und Triathletin, war u.a. Bayerische Meisterin und qualifizierte sich für die IRONMAN Weltmeisterschaft auf Hawaii.

Daniela Dihsmaier arbeitete in der Musik- und Sport-Redaktion, später im Bereich Public Affairs, ehe sie in der Automotive-Branche als Spezialistin ins Marketing und Change Management Management wechselte. 2014 gründete sie ihr Unternehmen FREIWASSSER.

Sie ist Autorin und geht mit ihren Themen auf die Bühne. Sie ist Trainerin in Unternehmen und an der Hochschule München für Kommunikation und Mitarbeiterführung. Daniela Dihsmaier unterstützt ihre Klienten – egal ob Jurastudent, Athlet oder Führungskraft dabei, den Umgang mit großen Herausforderungen und Hürden zu meistern.

Credits
Titelfoto: Daniela Ruppert
Lauffoto: Inger Diederich
Foto vom Triathlon (Radfahren): privat
Bühnenfoto: Yuto Yamada

 

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