Bettina Praetorius hat gemeinsam mit sieben Mitstreiterinnen im Januar 2019 den Verein „Frauen aufs Podium“ gegründet – die Diplom-Politologin ist Vorstand des Vereins. „Frauen aufs Podium“ entwickelt Programme für eine praktische Unterstützung von Frauen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur. Im ersten Förderprogramm wird es ganz konkret: Es geht darum, Frauen zu unterstützen, die in der politischen Landschaft sichtbarer werden wollen und damit mehr Einfluss auf Kommunal- und Landesebene anstreben.

image003WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Frau Praetorius, die ersten Seminare von „Frauen aufs Podium“ richten sich an Frauen, die sich in der Kommunal- und Landespolitik in Brandenburg engagieren. An wen richtet sich Ihr Angebot – muss man Politikerin sein, um davon zu profitieren?

Bettina Praetorius: Das Angebot „Brandenburg – ich misch‘ mich ein: Für mehr Frauen in der Politik“ richtet sich an alle politisch engagierten Frauen. Politisches Engagement fängt für mich da an, wo man sich für ein Thema einsetzt. Es geht vor allem darum, sich persönlich zu stärken, sich mit anderen Frauen auszutauschen, überzeugend das jeweilige Thema zu vertreten und natürlich auch die Strukturen der Landes- und Kommunalpolitik besser kennen zu lernen.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Wie ist das Programm aufgebaut und wer sind die Referent*innen?

Bettina Praetorius: Das Programm gliedert sich in jeweils drei Workshop Tage. Am ersten Tag lernen die Frauen, wie sie ihre Ziele formulieren, sich selbst vertrauen und eine eigene Zukunftsvision entwickeln. Im zweiten Workshop geht es darum, den Auftritt nach außen zu stärken – Körperhaltung, Stimme und wie ich meine Geschichte oder mein Vorhaben nach außen kommuniziere. Im dritten Teil gibt es einerseits Optimierungsworkshops in Bereichen wie Verhandlungsmanagement oder Konflikttraining und andererseits für Teilnehmerinnen mit Mandat die Möglichkeit ihre politische Strategie zu verfeinern.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Das Förderprogramm ist auf fünf Jahre angelegt. Werden Sie ähnliche Veranstaltungen auch in anderen Bundesländern anbieten?

Bettina Praetorius: Das hängt ganz davon ab, ob sich auch in den anderen Bundesländern ein Parité-Gesetz durchsetzen wird. In Thüringen könnten wir uns derzeit ein ähnliches Programm gut vorstellen.

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WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Der finanzielle Aufwand für die Teilnehmerinnen ist überschaubar: Wie finanzieren Sie Ihre Förderprogramme, haben Sie Partner?

Bettina Praetorius: Das Programm wird teilweise aus Mitteln des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms des Landes Brandenburg finanziert. Der Rest ist ehrenamtlich. Es wäre schön, wenn mehr Menschen für dieses wichtige Thema spenden würden.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus, werden Sie – neben der Politik – auch Formate für andere gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereiche anbieten?

Bettina Praetorius: Wir wollen unbedingt auch in vielen anderen Bereichen Leuchtturmprogramme zur Förderung der Gleichstellung durchführen. Beispielsweise gibt es bis heute kaum Initiativen, um gezielt Mädchen und junge Frauen für ein politisches Engagement zu begeistern. Auch denken wir an ein interdisziplinäres Programm für Frauen aus den verschiedenen Wirtschaftszweigen. Es wäre interessant, die bestehenden Frauenförderprogramme zu evaluieren und daraus eine Art best practice Workshopreihe zu entwickeln. Ich bin mir sicher, dass wir durch den gemeinsamen Austausch über strukturelle Hindernisse und Analyse bestehender Förderprogramme sehr viel schneller herausbekommen, was wirklich wirkt im Sinne einer Gleichstellung. Natürlich hängen diese Pläne ganz entscheidend von möglichen Kooperationspartnern und einer entsprechenden Finanzierung ab.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Was ist Ihre Vision für „Frauen aufs Podium“, was wollen Sie erreichen?

Bettina Praetorius: Unsere Vision ist die umfassende Gleichstellung bzw. Gleichberechtigung aller Geschlechter auf allen Ebenen – sodass von einer Teilhabe von Macht, Geld und Einfluss zu 50% gesprochen werden kann. Dieses Ziel lässt sich allerdings nur erreichen, wenn wir es schaffen ein Bedürfnis hierfür in unserer Gesellschaft zu erzeugen. Wir brauchen dazu die aktive Unterstützung einer tragfähigen Mehrheit.  Wir wollen einerseits möglichst viele Frauen und Männer wachrütteln und davon überzeugen, dass von Gleichstellung die ganze Gesellschaft profitieren wird. Anderseits versuchen wir mit Leuchtturmprogrammen praxisorientierte Wege aufzuzeigen, wie wir schneller dort hinkommen.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Was sind Ihre größten Herausforderungen bei Ihrer Arbeit für „Frauen aufs Podium“ und was treibt Sie dabei persönlich, diese Herausforderungen anzunehmen?

Bettina Praetorius: Durch Gespräche und aus den Medien habe ich den Eindruck gewonnen, dass viele Frauen und Männer von der Notwendigkeit einer Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gleichstellung von Frau und Mann überzeugt sind. Doch im Alltag geht dieses Thema meistens zugunsten anderer Verpflichtungen unter. Auch für unseren Verein ist es schwierig, Mitstreiter*innen zu finden, die sich mit ihrem Wissen, Zeit und Geld für das Ziel einer gleichberechtigten Gesellschaft einsetzen wollen. Für mich persönlich ist die Benachteiligung von Frauen in der deutschen Gesellschaft – wie natürlich auch weltweit – das größte Unrecht und das wichtigste Thema, dass wir derzeit haben. Wie kann es sein, dass der Hälfte der Menschheit nicht die gleiche Wertschätzung und Teilhabe zusteht?  Gesellschaftliche Gleichstellung ist der Schlüssel, um die heutigen und künftigen Herausforderungen zu lösen. Eine immer komplexer werdende Welt braucht ganzheitliche, flexible, multidimensionale Denk- und Herangehensweisen.


Profil von Bettina Praetorius

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Bettina Praetorius, 51, ist Diplom-Politologin und Vorstand bei „Frauen aufs Podium“. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2018 in Potsdam unterstützte sie als Wahlkampfmanagerin eine der beiden weiblichen Kandidatinnen. Zuvor arbeitete sie hauptberuflich als Geschäftsführerin und Vorstand im NGO-Bereich.

 

 

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