Dies ist der neunte von 12 Blogbeiträgen von und über erfolgreiche und spannende Frauen in der deutschen „New Green Economy“. Freut Euch auf Insider-Beiträge über Gesellschafts- und Wirtschaftsthemen mit frischen Perspektiven von Frauen, die etwas bewegen. Die Blogserie „12 REMARKABLE WOMEN IN GREEN ECONOMY“ ist ein Kooperationsprojekt von Women Speaker Foundation, Ecopreneur und UnternehmensGrün.

Sabine Nallinger #Howto lead as a woman in a man’s world

“Seit ich denken kann, bin ich in Männerdomänen tätig: Als Verkehrs- und Stadtplanerin, als erste weibliche Kandidatin für das Amt der Münchner Oberbürgermeisterin (die Stadt wird seit 850 Jahren von Männern regiert) und jetzt in der Klimapolitik und in der Wirtschaft. Immer hat mich die Überzeugung angetrieben, dass wir so wichtige Bereiche, die unser aller Leben beeinflussen, nicht allein Männern überlassen dürfen. Dieser Wille, mitzureden, mitzugestalten – egal, ob es unser Leben in den Städten, unsere Regierung und Demokratie oder unsere Wirtschaft betrifft – treibt mich an.“

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Früh übt sich

Die ersten politischen Erfahrungen habe ich als Schülerin mit meinem Engagement im CVJM in Stuttgart gemacht. Dort wollte ich unbedingt eine Jugendgruppe nicht nur besuchen, sondern auch gleich selbst leiten. Auf meinen Elan, meine Energie und Beharrlichkeit waren die älteren Herren des Vereins, der ja historisch als Vereinigung junger Männer gewachsen war, jedoch nicht vorbereitet: Meine Initiative zur Leitung einer Gruppe empfanden sie geradezu als Affront. Davon habe ich mich aber nicht einschüchtern lassen. Nach einer Anhörung und etlichen Diskussionen habe ich nicht nur die Gruppe geleitet, sondern damit auch zugleich eine Diskussion um die Umbenennung in „Christlicher Verein junger Menschen“ statt „Christlicher Verein junger Männer“ im CVJM Stuttgart angestiftet.

Nicht immer absichtlich bin ich auch danach immer wieder in Bereiche vorgestoßen, die bis dahin männlich dominiert waren. Als meine Mutter und mein Sportlehrer feststellten, dass ich eine ausdauernde Läuferin war, ermöglichten sie mir das Training für den Marathon. Den lief ich dann, als Neunjährige – wieder allein unter Männern. Das ist auch so ein bisschen mein Motto: Wenn man als Frau etwas erreichen will, ist das leider auch bis heute ein Langstreckenlauf, kein Sprint – und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, mich mit Energie und Chuzpe durchzubeißen. Dennoch habe ich, als ich selbst Positionen und Posten besetzen konnte, immer darauf geachtet, dass andere Geschlechtsgenossinnen es ja nicht ebenso schwer haben müssen und habe sie gefördert wo es eben ging.

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Von der Entwicklungshilfe zur Stadtplanung

Bis zum Ende meines Grundstudiums war die Entwicklungshilfe mein berufliches Ziel. Nach einem Praktikum in der Raumplanung in Jakarta, bei dem ich auch einen kritischen Blick auf die Entwicklungshilfe der damaligen Zeit gewann, wechselte ich aber das Nebenfach und arbeitete schließlich nach dem Abschluss meines Studiums in der Verkehrsplanung – in Ingenieurbüros, Planungsreferaten und in der Privatwirtschaft. Meine Erfahrungen aus meiner Kindheit haben mir auch da weitergeholfen, hatte ich es auch hier wieder hauptsächlich mit dem anderen Geschlecht zu tun.

Von der Stadtplanung zur Politik

Auch in der Welt der Wirtschaft und der Politik sind Frauen vor allem in den verantwortungsvollen Positionen immer noch vollkommen zu Unrecht unterrepräsentiert. Natürlich gilt, dass wir Frauen uns auch selbst mehr zutrauen können und sollten. Gegenwind gibt’s immer, auch für Männer, die nach vorne wollen. Von daher: Liebe Frauen da draußen, das ist kein Grund, auf die Bremse zu treten!
Andererseits dürfen wir es uns eben auch nicht zu leicht machen. Natürlich sind es auch lange gewachsene Strukturen, die das begünstigen und an denen sich endlich etwas ändern muss. Umso besser, dass Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel die Unions-Posten in ihrem Kabinett und die Position der Generalsekretärin ihrer Partei jetzt mit sieben Frauen und vier Männer besetzt hat. Ein gutes Signal!

Ich hoffe, dass sich dieser Trend in der Politik und auch in der Wirtschaft mit deutlich zunehmender Geschwindigkeit durchsetzen wird.

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Als Vorständin in der Stiftung 2° bewege ich mich gerade als Grenzgängerin zwischen diesen beiden Systemen: Politik und Wirtschaft. Die Stiftung 2° ist eine gemeinnützige Stiftung, die als Plattform und Allianz auf beiden Seiten für den unternehmerischen Klimaschutz wirbt, vernetzt und für Austausch sorgt. Damit nimmt die Stiftung wie ich finde eine wichtige Rolle in diesem Gefüge ein: Ohne die Unternehmen werden wir die im Paris-Abkommen von 2015 gesetzten Ziele im Klimaschutz nicht erreichen. Umgekehrt können die Unternehmen manches Mal ihre Investitionen nicht richtig lenken oder Initiativen zum Klimaschutz nicht umsetzen, weil der ordnungspolitische Rahmen nicht stimmt oder die Planungssicherheit einfach nicht ausreicht. Dieses Zusammenwirken mitzugestalten, zu helfen, Hindernisse abzubauen und so letzten Endes zum Gelingen des Klimaschutzes beizutragen, ist mir ein großes Anliegen. 


Profil Sabine Nallinger

20171122-dscf1492.jpgSabine Nallinger ist seit 2014 Vorständin der Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz in Berlin. Als Stadt- Verkehrs- und Umweltplanerin befasst sie sich seit über 20 Jahren und mit Schwerpunkt auf unternehmerischen Klimaschutz, Verkehr und Mobilitätsmanagement mit zukunftsweisenden Konzepten für eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft. 2014 kandidierte sie für das Amt der Oberbürgermeisterin in der bayerischen Landeshauptstadt München und sitzt seit 2008 für Bündnis 90/Die Grünen im Münchener Stadtrat.

Bildnachweise
Titelbild: Alexander Probst / Stiftung 2°
Bild 1: W. List / Stiftung Energie und Umwelt Baden-Württemberg
Bild 2: Alexander Probst / Stiftung 2°
Bild 3: W. List / Stiftung Energie und Umwelt Baden-Württemberg
Profilbild: Alexander Probst / Stiftung 2°

Die Blogserie „12 REMARKABLE WOMEN IN GREEN ECONOMY“ entsteht in Zusammenarbeit mit Ecopreneur und UnternehmensGrün.

 

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